Samstag, 22. August 2015

Rezension zu ╬¤ Ziemlich nah am Glück ¤╬ von Saira Shah


Autorin: Saira Shah
Titel: Ziemlich nah am Glück

Verlag: Goldmann

Art: Roman - Taschenbuch

Seiten: 384
ISBN:978-3-442-48224-5
Preis: 9,99€


Inhalt

Anna und Tobias haben große Pläne: Sobald ihre Tochter geboren ist, wollen sie in die sonnige Provence ziehen, wo Anna eine Kochschule eröffnen möchte. Doch ihr Wunschkind Freya kommt behindert zur Welt, und ihr Traum droht durch den Schicksalsschlag zu zerplatzen. Anna aber gibt nicht auf und zieht mit Freya und Tobias in ein baufälliges Haus auf dem französischen Land. Verzweifelt kämpft sie gegen alle Enttäuschungen und Rückschläge an, und auch wenn das Leben ihr immer neue Steine in den Weg legt, erkennt sie schließlich, dass es auch aus dem größten Unglück einen Weg zum Glück gibt, wenn man ihn gemeinsam geht ...

Meinung

Das Cover ist wunderschön. Die Farben sind dezent, die Wolken realistisch. Der Rest ist als schwarzer Schatten zu sehen, zeigt aber drei Personen. Mich lässt es auf die drei Protagonisten schließen.

Die Protagonistin Anna ist die Erzählerin. Aus ihrer Sicht ist die Geschichte geschrieben. Sie liebt ihr Kind und beweist dies durch ihre Art Freya gegenüber. Sie ist meiner Meinung anfangs sehr loyal und mir gefällt ihre Art, wie sie für ihr Kind kämpft. 

Die Protagonistin Freya ist die beeinträchtige Tochter von Anna und Tobias. Sie zeigt trotz schlechter Einschätzung der Ärtze Fortschritte, die ich so an Kindern jeder Art schätze, die besonderen Momente!

Der Protagonist Tobias hält anfangs nicht viel von Freya, denn ihre Erwartungen stehen schlecht. Er versinkt in seine Arbeit.

Die Geschichte ist einfach hinreißend. 
Die Geburt von Freya kommt mir sehr lebensbezogen vor, was mir sehr gefällt. Endlich wird dieses Thema mal deutlich herauskristallisiert und nicht nur Wehen, Krankenhaus, Kind ist da.
Die Ärzte reden natürlich Fachchinesisch, was mich so an einigen Stellen echt genervt hat. Anstatt zum Punkt zu kommen, "prahlen" sie mir ihrem Fachwissen.
Dann kommt das Haus in Frankreich. Da frage ich mich immer noch, warum sie es genommen haben, wo doch so deutlich war, dass es eine Ruine ist. Ich konnte mir das Haus sehr gut vorstellen, was wohl daran liegt, dass ich so einige Filme gesehen habe, bei denen es ebenfalls um verfallene Häuser abgelegenen Ortes gab und meistens ging es auch ums Kochen. So wie bei Anna eben.
Doch nachdem sie da waren, musste ich wirklich die Hände über den Kopf schlagen. Noch nie hatte ich das Bild dieses beschrieben "Horros" so klar im Kopf wie bei dieser Beschreibung.
Allgemein war das Buch sehr detailliert und realistisch.
Dort angekommen und eingezogen stellen sich natürlich die erwarteten Probleme ein. War ja eigentlich klar. 
Tobias hätte ich bis gut zur Hälfte des Buches echt mal gerne was gegeigt seiner Art Freya gegenüber.
Mensch ist Mensch, egal ob blond, brünett, helle oder dunkle Hautfarbe, fünf oder sechs Fingern oder was auch immer. Jeder ist gleich viel wert, egal ob eingeschränkt oder nicht.

Gut, weiter im Verlauf hatte ich wirklich das Gefühl, dass Lizzy mit Tobias eine Affäre hat.... 
Aber das rückt in den Hintergrund als Tobias seine Meinung gegenüber Freya ändert. Ich habe mich so gefreut und war ganz vernarrt in diese kleine, heile Familie... habe ich jeweils angenommen.

Ohne viel vorweg zu nehmen wird es doch wirklich noch spannend. Zuwachs ins Haus, der die Geschichte um einiges aufpäppelt und ihr ordentlich Schwung verleiht.

Ich könnte so viele tolle Szenen aus dem Buch nennen, aber das wären alles Spoiler und das möchte ich vermeiden.

Ich finde, dieses Buch kristallisiert die Gefühle der Familie, der Angehörigen, sehr klar heraus. Und das gefällt mir. Es zeigt einem, wie schwer die Entscheidung sein kann, sich für oder gegen sein Kind zu entscheiden. Es zeigt, welche Arbeit dahinter steckt, ob nun gesund oder beeinträchtigt.
Es behandelt Klischees, wie schwule Pärchen, zeigt die Ablehnung, aber auch den Umgang.
Es ist einfach ein sehr gefühlvolles Buch, dass schon beim ersten Abschnitt so viel Gefühle freilässt, dass es in meiner Leseecke nur so vor Emotionen sprudelte.

Auch sehr toll finde ich die eingebauten französischen Worte, wie paysans und ähnliche. Das war das Gefühl, das mich nach Frankreich entführte.

Einfach ein tolles Buch, welches die Gefühlswelt thematisiert von Betroffenen.

Note: 2